Impressionen aus der Reckenhöhle
DIE RECKENHÖHLE
in Balve-Binolen im Sauerland
     
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  Eine Führung durch die Höhle  / VIRTUELLER HÖHLENRUNGGANG

Die Reckenhöhle hat bisher 2500 Meter bekannte Höhlengänge. Der für Besucher begehbare Teil führt über eine Strecke von ca. 500 Metern. Betritt man die Höhle durch den nachträglich angelegten Eingang , steht man unvermittelt in einem engen Kluftenraum. Nach wenigen Metern zeigt die Höhlendecke auffallende Auswaschungsformen und Lösungswolken, die auf eine Zeit voller Wasserfüllung hinweisen. Hier füllte das trübe und lehmreiche, abschmelzende Eiswasser die gesamten Hohlräume. 
In Wirbeln und Strudeln wurde das Gestein ausgewaschen. Auch nach den Ausgrabungen besteht der untere Teil der Wände aus reinem Höhlenlehm. Wie hoch hier der Lehm mal die Gänge ausfüllte zeigt sehr schön ein alter Tropfsteinrand, der früher den Höhlenboden bildete.
Rechts und links zweigen hier seitlich nach oben führende Spalten ab, die zeigen wie vielfach das Gestein hier zerrüttet ist. Diese Klüftewurden vom strömenden Wasser, das dem Hauptfluß zufloß, erweitert und später wieder mit Lehm zugeschwemmt. 

In dem ersten Seitengang links sind einige wunderschöne Tropfsteingebilde, aus denen mit einiger Phantasie Figuren zu erkennen sind.  Bei der Führung werden Ihnen hier ein gebratenes Hähnchen, ein Uhu,Schweineohrenund ein Eichhörnchen gezeigt. 

Durch einen früher fast gänzlich zugeschwemmten Gang geht die Führung weiter bis zu einer großen Kreuzung. Hier treffen sich alle vier Hauptgänge der Höhle. 

Der erste linksabzweigende "tote" Hauptgang ist ca. 500 m lang. Er wurde nur im ersten Teil ausgebaut, später hat der Gang eine Größe von nur 50 x 50 cm.  Findet man aber die richtige Abzweigung (ein kleiner Spalt unter einem überhängenden Stein) betritt man ein großflächiges Höhlensystem, welches durch die s. g. Runkelhöhle wieder ans Tageslicht führt. Der zweite Seitengang hat eine Länge von ca. 1500 Metern. In ihm sind sehr schöne Grotten und Seen, die aber für Besucher nicht zugänglich sind.
In den Seen leben s. g. Höhlenkrebse, kleine 2 - 3 mm große, transparente Tiere.  Neben den Fledermäusen sind diese Höhlenkrebse die einzigen Höhlenbewohner. Viele Höhlen des Hönnetals wurden in der Frühgeschichte von Menschen und Tieren zu ihrem Schutz aufgesucht. In der Balver Höhle und auch der Feldhofhöhle sind zahlreiche Werkzeuge des Menschen der Stein- und Bronzezeit gefunden worden.  Die Reckenhöhle war keine dieser Kulturhöhlen, dazu fehlte ein größerer Eingang. 
Es wurden in der Reckenhöhle zwar auch Tonscherben, Höhlenbärenknochen und ein ganzes Skelett eines Bären gefunden, doch sind diese wahrscheinlich durch das Wasser hineingeschwemmt worden. Das Skelett des Höhlenbären steht heute im Mendener Heimatmuseum. Was einige der noch mit Lehm und Steinbrocken gefällten Seitengänge der Höhle bergen, ist noch nicht erkundet.

Aus den rund 60 Metern unter der Oberfläche liegenden Gängen führen auch heute noch einige schmale Spalten bis an das Tageslicht. Kleines Waldgetier kann hierdurch in die Höhle eindringen. Vor allem sind es die Fledermäuse, die in der Höhle einen geschätzten Winterschlafplatz finden.

Durch den zurückführenden Hauptgang betritt man nun den "Tanzsaal", eine große Halle.  Hier ist der nur stellenweise in seiner natürlichen, schwarzen Färbung sichtbare Kalkstein stärker mit Kalksinterbildungen bedeckt. Stalaktiten in Zapfenform und als gelblichweiße Bänder Aberziehen Decke und Wände. In enge Spalten hineinblickend kann man bleistiftdünne Stalaktitenröhrchen erkennen. Den Boden bedeckten früher hauptsächlich große Sinterplatten, die auf dem Lehm lagen und heute an den Wänden abgestellt sind. In der Mitte der Halle stoßen zwei der gebirgsbildenden Gesteinsschollen aneinander und bilden so einen regelrechten Kamin. Er ist ganz mit Versinterungen überzogen und an seiner rechten Seite ist eine 8 Meter lange Gardine gewachsen. Am Ende der Halle sieht man noch sehr schön den alten Wasserstandsspiegel der Höhle aus der Zeit, als der Lehm sich schon als Höhlenboden abgesetzt hatte. Dort haben sich unterhalb des Wasserstandsspiegels Kalkkristalle an den Wänden abgesetzt und schichteten sich zu einem freischwebenden Balkon auf.

Die Kapelle
Hier eröffnet sich ein weiterer Spalt im Gebirge, der von einer durchscheinenden Gardine halb verdeckt ist. Davor hängen Stalaktiten und dahinter hat sich Tropfwasser in einem fast 50 cm tiefen Becken gesammelt. Den Rand des Wasserspiegels entlang zieht sich ein Saum von Kalksinter, der durch die Verdunstung aus dem kalkhaltigen Wasser ausgeschieden wurde. 

Vorn, wo die Wassertropfen langsam auf dem Boden zerfließen und verdunsten, hat sich aus dem ausscheidendem Kalk eine Kuppe gebildet, auf der ein Stalagmit langsam aufwärts wächst.  Um die Kuppe herum ziehen sich kleine Sinterbänder in Wellenlinie, die durch das herablaufende Wasser, kleine gefüllte Terrassen bilden.  In diesen Wasserterrassen wachsen kleine Kristalle, die das Ganze glitzern und leuchten lassen. 

In der vom Wasser ausgewirbelten Höhlendecke zweigt ein Spalt senkrecht nach oben, Gardinen und Stalaktiten formten sich hier zu einer Wendeltreppe. In einem nur wenige Meter weiter, stark wasserführenden Spalt, wuchsen Stalagmiten und Stalaktiten zu einer Orgel zusammen.  In der
sich nun öffnenden großen Haupthalle brauchte, durch die überwältigende Größe, der Höhlenboden nicht ausgeschachtet zu werden. Hier stehen alle Stalagmiten auf dem originalen Höhlenboden. Es dominiert ein derartig starker Stalagmit in der Mitte der Halle, daß die hier reichlich wachsendentropfsteine, Sinterplatten, Stalaktiten und Stalagmiten in den Hintergrund treten.  Die Hallendecke, die einmal reich an verschiedensten Tropfsteinbildungen war, ist leider nach Kriegsende durch Menschenhand fast vollständig zerstört worden.

Viele große Stalagmiten stehen aber noch, andere sind wieder aufgestellt worden.  Im "Paradies", mit seinem großen Wasserbecken überrascht die Vielfalt der Schattierungen des Tropfsteins. Schneeweiße Stalaktiten und tiefschwarze Stalagmiten sind zu einer säulenbewehrten Zauberhalle im Zwergenformat zusammengewachsen.

Am rechten Seitengang der Halle lassen sich noch einige Zeichen aus der Bildungsgeschichte der Höhle feststellen.  Hier liegt auf dem Höhlenlehm eine waagerechte, mehrerezentimeter starke Kalksinterdecke.  Sie zeigt, daß nach dem Absetzen des Höhlenschlamms der Wasserstrom versiegte und von der Decke nur noch wenig, jedoch in weiter Verbreitung Wasser herabtropfte und auf dem trockenen Lehmboden eine Kalkkruste absetzte.  Weiter rechts in einem Seitengang sieht man noch den glatten Kalkfels als ebenen Boden, auf dem das Wasser verströmte, bis in tiefer gelegene Teile der Höhle abfloß (Fuchsbau). 

Viele schräg abwärts führende Spalten lassen erkennen, daß es unter dem heutigen Höhlenboden noch viele unbekannte Hohlräume gibt, in denen sich das Niederschlagswasser sammelt und der Hönne zufließt. Wie viele unbekannte Höhlen es noch gibt, weiß man nicht.  Die Hönne fließt aber an mehreren Stellen so stark unterirdisch, daß der Flußlauf im Sommer an mehreren Stellen ausgetrocknet darliegt, während einige hundert Meter weiter, der Fluß in seiner vollen Stärke im Bett dahinfießt.

Noch eine andere eigenartige Sinterbildung ist in der großen Halle zu beobachten. Kleine, sich in verschiedene Richtungen windende, gekrümmte, hakenförmige Kalkstengel.  Sie entstehen nicht durch tropfendes Wasser sondern durch sich langsam ausschwitzende Bergfeuchtigkeit, die aus einer gesättigten Lösung durch Verdunsten den Kalk wieder abscheidet.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei einer Besichtigung der Reckenhöhle.  Der Sie begleitende Höhlenführer (in) zeigt Ihnen noch viele Figuren, Teile und Phantasiegebilde, wie sie zu einer richtigen Höhlenführung gehören.  Adam und Eva, Zuckerrüben und Raketen, Leuchttürme und Karussells, alles, was wir aus Platzgründen in diesem Heftchen nicht darstellen konnten.  Dieses Heftchen soll dazu dienen, geologische und geschichtliche Daten zu vertiefen und Erinnerungen an eine gelungene Höhlenführung wach zu halten.

Besuchen und erwandern Sie auch das oberirdische Hönnetal mit seinen romantischen Bergen, Klüften, 
Bächen und Höhlen. Erleben Sie was Wind, Wasser, Regen und Sonne an Natur geschaffen haben.

Ihre Familie Vanselow-Recke
 
 

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