-->
Mittwoch, den 20. September 2017

Geschichte der Reckenhöhle

Die Reckenhöhle wurde im Frühjahr 1888 von Franz Recke entdeckt. Franz Recke, der nicht nur Land- und Gastwirt war, betrieb als echter Sohn des industriellen Zeitalters einen Steinbruch, eine Strohseilfabrikation, eine Mühle und war außerdem Erbauer einer Turbinenanlage zur Stromerzeugung. Hatte der von der Hönne abzweigende Turbinengraben nicht genug Wasser, wurden zur Stromerzeugung eine Lokomobile und Bleiakkumulatoren benutzt.

Auch die Höhle wurde an die elektrische Anlage angeschlossen, noch heute sind die freihängenden Isolatoren der alten Lichtleitung zu sehen. Erst in den 30er Jahren wurde die Höhle an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.

Entdeckt wurde die Höhle durch einen Zufall. Franz Recke beobachtete schon des öfteren, daß aus einer schmalen Spalte im Kalkstein, gegenüber seinem Haus, bei kühler Witterung Nebel aufstieg. Bei der Verfolgung eines Fuchses - der ihm öfters Gänse und Hühner gestohlen hatte und in einer der Spalten entwischte wurde eine Märchenwelt entdeckt.

Durch die Ausgrabung des "Fuchsbaus" öffnete sich ein überwältigendes System von begehbaren Höhlengängen, angefüllt mit den schönsten Tropfsteingebilden. Am 16. August 1890 wurde der erste Teil (Haupthalle) als Schauhöhle eröffnet. Die weiteren Gänge waren zwar begehbar, aber stark mit Lehm zugesetzt. In 34-jähriger Arbeit wurde die Höhle ausgebaut, mit Loren wurde der Lehm zu Tage gefördert. Die Ein- und Ausgänge mußten gesprengt werden, da es außer dem "Fuchsbau" keinen natürlichen Eingang gab.

Ab 1924 war die Höhle in ihrer heutigen Art begehbar. Franz Recke starb im Alter von 42 Jahren an einer Lungenentzündung, die er sich bei den Ausgrabungen zugezogen hatte.

Die geologische Geschichte der Reckenhöhle

Die Reckenhöhle ist eine der 23 bekannten Höhlen im Naturschutzgebiet HÖNNETAL. Alle liegen im Massenkalk des Mitteldevons (s. Kartenskizze ). Es ist ein mächtiger bis 1000 Meter starker Komplex eines dunkelgrauen, massigen Kalksteins, der im Bogen um den Balver Wald herum zieht. Er stellt das östliche Ende der Remscheid-Altenaer Sattellaufwölbung im Sauerland dar und hat eine millionen Jahre alte Geschichte. In der DEVONZEIT, vor ca. 220-250 Millionen Jahren, breitete sich hier ein Meer aus.

Die Tierwelt dieses Meeres, vor allem Korallen, Armfüßler und Schnecken, deutet auf flaches Wasser mit mächtigen Korallenriffbildungen hin. Die versteinerten Reste dieser Tiere sind im Laufe der jahrmillionen zum heutigen Kalkstein, dem Massenkalk, gepreßt und verfestigt worden. Auch heute noch kann man an den Bachläufen, aber vor allem in den Kalksteinbrüchen in der Horst und in Oberrödinghausen, Fossilien, also Versteinerungen von Korallen und Tieren, recht leicht finden.

Das Devonmeer zog sich im weiteren Verlauf der Erdgeschichte zurück. Durch Erdverschiebungen hob sich nun der verfestigte Meeresboden zu einem Gebirge empor. Dabei wurde das Gestein zu Schollen zerbrochen und von Rissen und Sprüngen durchsetzt, an denen die oberflächliche Verwitterung ansetzen konnte. Durch Abtragung, Auswaschung und Spaltenbildung wurde das Gestein zerstört und geformt. (Karstbildung) Im Wechsel mit kurzzeitigen Meeresüberflutungen und weiteren Bodenbewegungen mit anschließender Abtragung entstand das heutige Rumpfgebirge des Sauerlandes mit den eingeebneten Hochflächen des Massenkalks. Rotbrauner Verwitterungslehm aus der jüngeren Tertiärzeit bedeckt weitgehend die Oberfläche.

Den sozusagen letzten Schliff, das heutige Aussehen, erhielt das Hönnetal während der letzten Eiszeit (dem Pleistozän) vor ca. 800 000 Jahren.Im Wechsel mit Kaltzeiten, Zwischeneiszeiten und Warmzeiten, mit Vorstößen der nordischen Gletscher schmolzen mächtige Eismassen zu gewaltigen Wasserströmen.

Das Wasser formte und zernagte das verkarstete durch Risse und Spalten angegriffene Gestein vollends. Die Spalten wurden erweitert, zu Hohlräumen und zu Höhlen ausgewaschen. Das Tal erhielt sein endgültiges zerklüftetes Aussehen.

Am Ende der großen Eisschmelze, als die Strömungsgeschwindigkeit nachließ und der Wasserspiegel langsam sank, begann sich der vom Wasser mitgeführte Schlamm abzusetzen. Viele Meter mächtig finden wir ihn heute als HÖHLENLEHM in den Gängen der Reckenhöhle. An einigen Stellen reicht er bis zur Höhlendecke und ist auf jeder Seite bis zu 20 m stark.

Nachdem der Wasserspiegel so weit gesunken war, daß die Höhle trocken wurde, begannen an Decken und Wänden TROPFSTEINE zu wachsen. Das durch das Kalkstein sickernde Wasser wird von den auf ihn wachsenden Pflanzen und Bäumen mit Kohlensäure angereichert. Das etwas kohlensäurehaltige Wasser braucht durchschnittlich drei Wochen um in der Höhle als Tropfen anzukommen; an einigen Stellen schneller, an anderen langsamer, je nachdem wieweit sich die kleinen Risse und Klüfte im Gebirge mit Lehm zugesetzt haben.

Dort, wo der Wassertropfen hängen bleibt, verdunstet etwas Wasser (in der Höhle ist eine konstante Temperatur von +9 Grad C) und die Kohlensäure kann mit dem aufgelösten Kalk eine Verbindung eingehen, die sich Sinter oder Tropfstein nennt. Es bilden sich langsam die hängenden Tropfsteine, STALAKTITEN, (in 15 Jahren ca. 1 Kubikmillimeter). Das herabtropfende Wasser wiederholt das gleiche auf dem Höhlenboden und so wachsen Kalksäulen, STALAGMITEN, der Decke entgegen. Das an den Wänden herablaufende Wasser bildet Gardinen und Kalksinterbildungen in den verschiedensten Formen, so daß die Höhle mit der Zeit ganz mit Tropfstein ausgekleidet wird.